Spanische Zuwanderer in Hornberg - Interview mit Carolina Castro Costas

08.08.14, 21:55:48 von poseidon
"¡Bienvenid@s! - Willkommen in Baden-Württemberg!" - dieses Projekt hat sich zum Ziel gesetzt spanischen Zuwanderen, die nach Baden-Württemberg einwandern, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Das Projekt hat seinen Sitz in Hornberg (Schwarzwald), Schwerpunkt des Projekts sind derzeit der Ortenaukreis, der Schwarzwald-Baar-Kreis und der Kreis Tuttlingen. Projektträger ist die "AEF - Spanische Weiterbildungsakademie", eine staatlich anerkannte Weiterbildungseinrichtung, die 1984 von spanischen Emigranten gegründet wurde. Die AEF ist Partner im IQ Netzwerk Baden-Württemberg. Das Netzwerk zielt auf die Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Migranten.
Im April 2014 hat Poseidon das Projekt in Hornberg besucht, im Anschluss haben wir Frau Carolina Castro Costas, die Projektkoordinatorin von "¡Bienvenid@s! - Willkommen in Baden-Württemberg!" in Hornberg, gebeten einige Fragen zu beantworten. Wir freuen uns sehr, dass Frau Castro Costas unsere Antworten so ausführlich beantwortet hat!


Viele Spanier, aber auch Südeuropäer aus Italien, Portugal und Griechenland, suchen eine berufliche Perspektive in Deutschland. Ist diese Entwicklung auch in der Region in und um Hornberg spürbar?

Die Umstände der Eröffnung des Projektbüros in Hornberg im Mai 2013 illustrieren den Bedarf und die Dynamik des Projekts. Bevor die Büromöbel gekauft und aufgebaut waren, standen die ersten rat- und hilfesuchenden Neuzuwanderer/innen aus Spanien buchstäblich vor der Tür.


Warum ist die Region in und um Hornberg gerade für spanische Zuwanderer so interessant? Leben in dieser Region inzwischen auch Zuwanderer aus Italien, Portugal und Griechenland? Braucht die Region Zuwanderung? Gibt es gute Berufsperspektiven für diese Zuwanderer?

Da spielen die Organisationen der spanischen Migranten, die in der Projektregion des Schwarzwaldes angesiedelt sind, eine zentrale Rolle, da sie den neuen Fachkräften und deren Familien ein soziales Netzwerk anbieten. Auch gibt es Zuwanderer aus anderen südeuropäischen Ländern.
Außerdem haben wir hier in unserer Region eine Arbeitslosigkeit die unter 3 % liegt, viele Unternehmen haben akuten Fachkräftemangel. Die besten Berufsperspektiven gibt es im Handwerk, Metallbranche, Gastronomie und Pflegebranche.



Das Projekt "Bienvenid@s! - Willkommen in Baden-Württemberg" hilft spanischen Zuwanderern bei der Integration. Wie sieht Ihre Arbeit in Hornberg aus? Wer finanziert das Projekt?

Das Ziel des AEF Projekt „¡Bienvenid@s! – Willkommen in Baden-Württemberg“, im Rahmen des IQ Netzwerkes Baden-Württemberg, ist es Fachkräfte und junge leistungsorientierte neue Zuwanderer/innen aus Spanien in Baden-Württemberg aufzunehmen, willkommen zu heißen und Ihnen eine erfolgreiche Erstintegration zu ermöglichen. Dazu gehört vor allem die Hinführung zu den bestehenden Institutionen und Beratungsstellen, wie die Anerkennungsstellen für im Ausland erworbene Berufsabschlüsse sowie Information über die Themen Leben und Arbeiten in Baden-Württemberg, Herstellung von Kontakten zu Unternehmen sowie eine sprachlich-kulturkompetente Begleitung für die Eingliederung in das soziale Leben vor Ort. Das Projekt hat seinen Sitz in Hornberg und der Schwerpunkt des Projekts liegt im Schwarzwald, insbesondere in der Region Ortenaukreis, Schwarzwald-Baar-Kreis und Kreis Tuttlingen. In dieser ländlichen Region wollen wir modellhaft das Angebot aus Spanien mit der Nachfrage an Fachkräften von Seiten der kleinen und mittleren Unternehmen in Baden-Württemberg zusammenzuführen. Das Förderprogramm IQ wird aus Mitteln des BMAS, des BMBF und der BA finanziert.


Mit welchen Schwierigkeiten haben die Zuwanderer zu kämpfen? Aus welchen Regionen in Spanien kommen die meisten Zuwanderer? Welche beruflichen Qualifikationen bringen diese Zuwanderer mit bzw. sollten sie mitbringen? Wie alt sind sie in der Regel?

Licht und Schatten prägen die Erfahrungen der Neuzuwanderer/innen. Die ersten Schritte der Arbeitsaufnahme gestalteten sich für viele einfacher, aber die Organisation des Alltagslebens war schwieriger als ursprünglich gedacht. Ein zentrales Problem bleibt die Sprache. Deutsch ist nicht leicht zu lernen. Die Zuwanderer sind zwischen 24 und 50 Jahre alt und bringen die unterschiedlichsten Qualifikationen mit sich.


Sind mangelnde Deutschkenntnisse ein Hindernis für viele Zuwanderer? Erhalten diese Zuwanderer Deutschunterricht? Wo werden diese Kurse angeboten? Wer finanziert sie?

Eine gute Integration gelingt nur dann wenn sich die neuen Arbeitskräfte in Deutschland wohlfühlen. Da spielt schon die Vorintegration eine wichtige Rolle. Einer der wichtigsten Aspekte ist die Sprache. In Deutschland spricht man deutsch, daher sollten die Zuwanderer so schnell wie möglich die Sprache lernen. Hier gibt es Kursangebote an Sprachschulen und/oder an der VHS sowie die Integrationskurse die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert werden.


In Deutschland ist häufig von einer Willkommenskultur die Rede. Fühlen sich diese Zuwanderer willkommen? Sind Behörden und Unternehmen/Firmen auf diese Zuwanderung vorbereitet? Wie werden diese Zuwanderer im Alltag integriert?

Zwischen der Theorie und der gegenwärtige Praxis der Willkommenskultur besteht noch eine erhebliche Lücke. Der berühmte Ausspruch, dass man „Arbeitskräfte gesucht hat und es kamen Menschen“ hat heute genauso wie in den 70er Jahren seine volle Berechtigung. Man muss verstehen und akzeptieren, dass es sich um einen Migrationsprozess handelt, wenn eine Fachkraft aus einem anderen Land nach Deutschland kommt. Wichtig ist die Vermittlung authentischer Informationen sowie klare Hilfestellungen sich in dem institutionellen Geflecht von Behörden und Anträgen zurechtzufinden und Ihre Rechte wahrzunehmen.
Das Engagement der Migrantenorganisationen, die „Spanischen Elternvereine in BW“, dienen als Brücke sowie Aufnahme- und Integrationssprungbrett für neue Zuwanderer/innen und bieten ihnen somit eine klare Hilfestellung bei der Erstintegration.



Kommen die Zuwanderer oft mit falschen Vorstellungen? Werden die Zuwanderer in Spanien ausreichend auf einen Aufenthalt in Deutschland vorbereitet? Welche Aspekte sollte eine solche Vorbereitung beinhalten?

Einhellig bestätigen Zuwanderer, dass die Informationen in Spanien über Deutschland unzureichend waren. Die erwarteten Informationen/Auskünfte zum Leben und Arbeiten in Deutschland waren unzureichend oder irreführend. Wichtige Aspekte für die Vorintegration sind unterschiedliche Bereiche des Alltaglebens in Deutschland, von den Möglichkeiten des Deutschlernens über den Arbeitsmarkt sowie arbeits- und sozialrechtliche Aspekte, Fragen des Schul- und Vorschulsystems, des Wohnungsmarkts, der Anerkennung von Abschlüssen, bis hin zu allgemeinen Fragen zum politischen System der Bundesrepublik Deutschland.


Frau Castro Costas - HERZLICHEN DANK für die Antworten!

Dein Kommentar

Du bist nicht eingeloggt. Wenn du dich anmeldest, musst du in Zukunft Name und E-Mail Adresse nicht mehr eingeben.