Jahrestreffen der Lektorinnen und Lektoren in Italien - Pisa 2011 -

14.01.12, 01:33:06 von poseidon
Vom 2. bis 4.Dezember 2011 fand in Pisa das Jahrestreffen der in Italien tätigen DaF-Lektoren statt.


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Doch wer würde vermuten, dass gerade im universitären Bereich, in dem sich die viel beschworene wirtschaftliche Krise Südeuropas deutlich bemerkbar macht, eine bildungspolitisch wenig relevante Gruppe wie die der Fremdsprachenlektoren einem Superlativ dauerhafte Blüte verschafft hat?


Seit 10 Jahren findet in Italien alljährlich eine vom DAAD und vom Auswärtigen Amt finanzierte Jahrestagung der deutschen Lektorinnen und Lektoren statt. Im Wechsel richten die Kollegen unterschiedlicher Universitäten die Konferenz zu jeweils aktuellen Themen der DaF-Didaktik aus. Teils werden Gäste aus Deutschland oder Italien zu Vorträgen eingeladen, teils bieten Kollegen selbst Workshops an. Unabhängig von Themenstellung und Veranstaltungsort erfreut sich diese Tagung großer Beliebtheit. Die Lektoren erscheinen dort stets sehr zahlreich, aber auch Professoren lassen sich gerne zu Vorträgen einladen. Denn längst gilt die Tagung als eine Möglichkeit zu Begegnung, zu Diskussion und Austausch über didaktische Themen.


Im Jahr 2011 fand das Jahrestreffen in Pisa statt. Dort sprach Stephan Walter (Mainz) über das Thema "Stresstest, Pleite-Schock und Rettungshebel: Zur deutschen Sprache in Zeiten der Krise". Er befasste sich darin mit der sprachlichen Umsetzung des Wortes Krise, würzte seinen Vortrag mit interessanten und witzigen Beispielen und erläuterte, wie die Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort des Jahres wählt. In einem sehr klaren, gut strukturierten Vortrag mit den Titel "Wo spricht man eigentlich Sächsisch? Dialektsympathie und sprachgeographisches Wissen linguistischer Laien" stellte Albrecht Plewina (Mannheim) eine dialektologisch relevante Untersuchung zu den Wissensbeständen über Regionalsprachen vor. Schließlich informierte Hans-Ulrich Treichel (Leipzig) unter dem Titel Schreiben lehren - Schreiben lernen über die Arbeit am deutschen Literaturinstitut.


Auch bot das Programm drei Workshops: Silvia Fischer (Modena) arbeitete mit einer Gruppe von Kollegen zum Thema "Sprechhemmungen beim Präsentieren überwinden", Katrin Junge (Urbino) verriet wie man die die Informationsflut im Internet bewältigt und Andrea Birk (Bologna) stellte "Poseidon - Ein südeuropäisches Projekt" vor, im Rahmen dessen ein neues gemeinsames Netzwerk von Lektoren aus Italien, Spanien und Portugal entstehen soll. Ein erster Schritt in Richtung dieses Südeuropagedankens wurde auf der Tagung in Pisa bereits getan: Ein Gast aus Portugal, Michael Laub, Lektor in Vila Real, berichtete über den Deutschunterricht an den Universitäten auf der iberischen Halbinsel.


Italien, ein Land der Widersprüche. Denn im verborgenen Bereich einer akademisch nur wenig anerkannten Kategorie konnte mithilfe des DAAD und des Auswärtigen Amtes eine Tagung entstehen, deren Qualität sich am besten an der Begeisterung messen lässt, mit der sie alljährlich ausgerichtet wird. Inzwischen geht diese Tradition ins zwölfte Jahr.


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